Redebeitrag zur Kampange „Flora bleibt unverträglich“ auf der Kölner AZ-Demo

Wir freuen uns mit euch über die erfolgreiche Verteidigung des Autonomen Zentrums Köln. Selbstbestimmte Projekte wie das AZ sind Teil überregionaler und internationaler Kämpfe gegen eine Politik, die Metropolregionen als Standorte, Städte als Unternehmen und Menschen als Märkte begreift. Der jetzige Erfolg des autonomen Zentrums wird nicht der Endpunkt der Auseinandersetzungen sein und das ist auch gut so. Es geht uns in Köln wie auch in Hamburg nicht darum, befriedete Nischen herzustellen, damit die Verhältnisse so bleiben, wie sie sind, sondern Störfaktoren gegen die zunehmende Ökonomisierung der Städte herzustellen.

Für uns ist Stadt kein Ort, um möglichst reibungslos, Waren zu Kund_innen und Kund_innen zu Waren zu bringen, sondern ein gesellschaftlicher Ort, an dem unsere widersprüchlichen Bedürfnisse als kritische Masse zusammentreffen. Die Situation von illegalisierten Flüchtlingen, Drogenkonsument_innen und anderen, die von runden Tischen und Partizipationsmodellen ausgeschlossen werden, ist dabei ein wichtiger Bestandteil unserer politischen Perspektive. Recht auf Stadt bedeutet die Verdichtung von Unterschiedlichkeit, Abweichung von herrschenden Normen und Bewegungsfreiheit für alle.

Kapitalistische Stadtentwicklung und Gentrifizierung sind verantwortlich für steigende Mieten und die Vertreibung unerwünschter Bevölkerungsgruppen. Wir arrangieren uns nicht mit diesen Verhältnissen, sondern sagen ihnen den Kampf an. Durch Hausbesetzungen, Vernetzungen, Militanz und Nachtschwärmerei, breite Bündnisdemonstrationen, Kunst, Kultur und Propaganda versuchen wir, einen anderen Begriff von Stadt und Leben herzustellen und lebendig werden zu lassen.

Die Rote Flora ist seit 22 Jahren als besetztes Zentrum Teil dieser Kämpfe. Seit März diesen Jahres ist sie auf dem Markt und kann von privaten Investoren gekauft werden. Damit steigt auch die Bedrohung durch eine Räumung. Wir werden nicht spekulieren, was nun kommt und auch nicht abwarten, bis die Bullen vor der Tür stehen. Wir werden das Gebäude nicht widerstandslos verlassen und unser Widerstand beginnt jetzt. Wir sind dabei nicht isoliert, sondern verbunden mit vielen anderen Projekten in Hamburg, anderen Städten und Ländern. In Griechenland scheppert es ebenso wie in Berlin, in Köln werden ebenso Häuser besetzt wie in Freiburg oder im Hamburger Gängeviertel.

In Hamburg wurde vor kurzem der Wagenplatz Zomia im Stadtteil Willhelmsburg besetzt, der Platz hat inzwischen eine Räumungsaufforderung zum 30. April erhalten. Wie der neu gewählte Senat mit dem Wagenplatz umgeht, wird auch ein deutliches Signal dafür sein, wie sich die Auseinandersetzungen um die Rote Flora entwickeln. Wir fordern den Erhalt des Wagenplatzes Zomia und aller anderen besetzten Projekte. Wir unterstützen die Kampagne gegen steigende Mieten und für die Entkriminalisierung von Besetzungen, welche vom Netzwerk Recht auf Stadt angeschoben wurde. Die Aneignung des Städtischen ist für uns dabei die Perspektive einer Vergesellschaftung und Verräumlichung sozialer Konflikte und Proteste. Wir fordern alles für alle und ein ganz anderes Ganzes. Stadt ist Ausdruck und Spiegelbild der Verhältnisse und diese sind nicht statisch und alternativlos, sondern in Bewegung.

Wir laden alle ein, sich am 30. April zum Teil dieser Auseinandersetzungen zu machen und an der überregionalen Demonstration für den Erhalt der Roten Flora und gegen die Räumung des Bauwagenplatzes Zomia in Hamburg teilzunehmen.

Für die Vervielfältigung autonomer Projekte und das Recht auf Stadt!
No Nation No Border – Fight Law and Order!

  • Twitter
  • Facebook