2-5. Juni Recht auf Stadt Kongress in Hamburg

„Das Städtische definiert sich als der Ort, wo die Menschen sich gegenseitig auf die Füße treten, sich vor und inmitten einer Anhäufung von Objekten befinden, wo sie sich kreuzen und wieder kreuzen, bis sie den Faden der eigenen Tätigkeit verloren haben, Situationen derart miteinander verwirren, dass unvorhergesehene Situationen entstehen.“ (Henri Lefebvre)

Das Hamburger Netzwerk „Recht auf Stadt“ lädt ein zur kollektiven Verwirrung, Begegnung, und Zerstreuung. Über verschiedene Orte der Stadt verteilt, findet vom 2. bis 5. Juni 2011 jede Menge Geplantes & Ungeplantes statt. Seid dabei und:

* bildet Situationen & Banden * streift durch die Stadt & diskutiert durch die Nacht * feiert auf dem Asphalt & analysiert den städtischen Abgrund * zerlegt die eigene Praxis & rettet das utopische Potential * kommt zum Recht-auf-Stadt-Kongress und bringt Eure Nachbarinnen und Nachbarn mit.

Die Kongresszentrale ist im Centro Sociale (Sternstr. 2, 20357 Hamburg, Nähe U-Bhf. Feldstraße). Weitere Orte sind die Rote Flora, das Gängeviertel, Kölibri, Plan B, Buttclub, Marktstraße 138, Baschu, Schule Altonaer Straße, das Sporthaus des SC Sternschanze, Park Fiction, Projektor – kultureller Raum Sternstraße 4 und weitere. Teilnahmekosten sind: 10 Euro (plus Spende; aber am Geld soll es nicht scheitern).

Kontakt: stadtkongress@buko.info
Infos: http://kongress.rechtaufstadt.net

THESEN DER KONGRESSVORBEREITUNG
http://florableibt.blogsport.de/2011/05/30/thesen-zum-recht-auf-stadt-kongress/

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Auftaktveranstaltung zum Kongress
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Auftakt: Platz da? Kick-off Meeting
Soziale Ausgrenzung in der neoliberalen Stadt/ Exclusions in the neoliberal city

Privatisierung städtischer Ressourcen statt Vervielfältigung von sozialer Infrastruktur + Noch mehr Leuchtturmprojekte statt leuchtender Nachbarschaftsprojekte + Glattgebügelte Business Improvement Districts statt Vervielfältigung von genossenschaftlichem Wohnungsbau + Top-Down-Politik statt eine Stadt zum Selber-machen – das alles (und noch viel mehr) sind die Kennzeichen einer verfehlten neoliberalen Stadtpolitik. Städte werden zunehmend zu ökonomischen Akteuren. Städtische Verwaltungen verkommen zu Managementagenturen, die verschlankt arbeiten, indem sie sich nur um die Interessen von einer kleinen Zielgruppe kümmern und für andere jede Menge Imagebroschüren als Nebelbomben drucken lassen. In der Auftaktveranstaltung wollen wir sichtbar machen, wie in der neoliberalen Stadt Menschen ausgeschlossen werden: Wer darf hier sein und wer nicht? Welche Rolle spielen Wirtschaft und Politik als Motoren der sozialen Spaltung innerhalb von Stadt und zwischen den Städten? Wie werden Identitäten durch Raum gebildet und wer nimmt sich überhaupt wie Raum? Mit: Yvonne P. Doderer („Büro für transdisziplinäre Forschung & Kulturproduktion“, Stuttgart); Vorab gibt es eine Vorstellung des Kongresses: Wer, was, wo, wieso, weshalb und warum;

Donnerstag 2.6. Rote Flora 20.30-22:00 Uhr

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Einige AGs und Veranstaltungen mit Florabezug
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Das Gemeinsame und die Schwarzen Löcher in der Eigentumsordnung
Hardt/Negri meets Rote Flora
Bieten die „Instituierung des Gemeinsamen“(Hardt/Negri) und/oder die Produktion „Schwarzer Löcher in der Eigentumsordnung“ (Rote Flora) eine produktive Perspektive für die Durchsetzung eines Rechts auf Stadt? In ihrem Buch „Common Wealth. Das Ende des Eigentums“, das 2010 in der deutschen Übersetzung erschienen ist, entwerfen Michael Hardt und Antonio Negri ein politisches Projekt der „Instituierung des Gemeinsamen“ („Common“), das sich quer stellt zu der falschen Alternative zwischen Privatbesitz und öffentlichem Eigentum. Parallel dazu haben Aktivist_innen der Kampagne „Flora bleibt unverträglich!“ am 28.3. vor einem Hamburger Grundbuchamt den Grundbucheintrag der Roten Flora symbolisch zertrümmert, weil sie darauf bestehen, dass das seit über 21 Jahren besetzte Gebäude niemandem gehören könne, außer denjenigen, die es gerade aktiv nutzen, und deshalb notwendigerweise ein „schwarzes Loch in der Eigentumsordnung“ bilden muss. Im Workshop wollen wir diskutieren, wie sich die Konzepte der „Instituierung des Gemeinsamen“ und der Produktion „Schwarzer Löcher in der Eigentumsordnung“ durch „Enteignung und selbstbestimmte Kollektivierung“ zueinander verhalten und ob sie eine produktive Perspektive für die Durchsetzung eines politischen Rechts auf Stadt bilden, das über jetzige Rechtsformen hinausweist.

Samstag 4.6. 15-16.30 Rote Flora Halle unten

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Praktiken der Aneignung des öffentlichen Raums
Wie lassen sich private und staatliche Kontrolle zurückdrängen?

Wie können Praktiken der Enteignung und Kollektvierung privatisierter und verstaatlichter öffentlicher Räume aussehen, mit denen soziale Segregation, polizeiliche Vertreibung und staatliche Kontrolle zurückgedrängt werden können? Durch die fortschreitende Privatisierung und Kommerzialisierung öffentlicher Räume, z.B. bei der Ausweitung der Außengastronomieflächen von Cafés und Restaurants im Hamburger Schanzenviertel, wird städtischer Raum sozial segregiert. Gleichzeitig sorgen staatliche Überwachung, Kontrolle und Vertreibung dafür, dass sich viele Menschen, u.a. Obdachlose, Konsumeninnen illegalisierter Drogen, Sexarbeiterinnen und Migrant_innen, in bestimmten Gebieten der Stadt kaum noch ungehindert bewegen können. Die Durchsetzung eines Rechts auf Stadt für alle beinhaltet deshalb, sowohl die private als auch die staatliche Kontrolle über den städtischen Raum zurückzudrängen. In diesem Workshop wollen wir diskutieren, wie Praktiken der Aneignung privatisierter und verstaatlichter öffentlicher Räume aussehen können, durch die diese Räume enteignet und selbststimmt kollektiviert werden. Dieser Diskussions-Workshop steht in direktem Zusammenhang mit einem Praxis-Workshop, in dem eine mögliche Form der Enteignung und Kollektivierung privatisierter öffentlicher Räume konkret erprobt werden soll. Zeit und Ort für diesen Praxis-Workshop werden kurzfristig bekanntgegeben. An beiden Workshops kann auch unabhängig voneinander teilgenommen werden.

Freitag 3.6. 17:30 – 19:00 Uhr Rote Flora

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Kassandra-Effekte im Prozess der Gentrifizierung
Die Rote Flora: Standort- und Störfaktor im Schanzenviertel?

Seit September 1989 existiert das autonome Stadtteilkultur Rote Flora im Hamburger Schanzenviertel. Entstanden aus der Verhinderung eines kommerziellen Musicalprojekts, ist die Rote Flora nach 21 Jahren das letzte besetzte Projekte Hamburgs. Doch trotz beständigen Engagements gegen Umstrukturierung bzw. Gentrification ist das Projekt selbst unfreiwilliger Motor der Aufwertung des Hamburger Schanzenviertels geworden. Gibt es also ein Richtiges im Falschen?

Freitag 3.6. Kölibri 15 – 16:30 Uhr

Weitere Arbeitsgruppen und Termine im Rahmen des Kongresses:
http://kongress.rechtaufstadt.net/programm/events.de.html

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