Archiv für Oktober 2012

Erkundet die Weite des Raumes

Mietwahnsinn stoppen – den Widerstand vernetzen

Im Rahmen eines Aktionstages am 27. Oktober treffen wir uns an unterschiedlichen Orten der Stadt, um den Widerstand gegen Wohnungsnot zu organisieren und praktische Solidarität mit Betroffenen zu entwickeln. Betroffen sind Menschen, die neu nach Hamburg ziehen und keinen Wohnraum finden ebenso wie Menschen, die seit Jahren auf St. Pauli wohnen und nun aus ihren Häusern vertrieben werden sollen. Auch die Wohnungspolitik des SPD-Senates orientiert sich wie die seiner Vorgänger an Marktlogik und kapitalistischer Standortentwicklung. Die Mieten steigen, der Anteil von Eigentumswohnungen wird größer und die Stadt zunehmend zu einem Ort für diejenigen, die sie sich noch leisten können.

Dies wird sich nicht in Beteiligungsverfahren und runden Tischen überwinden lassen, sondern nur dadurch, dass wir Druck auf der Straße erzeugen, um die politischen Rahmenbedingungen radikal zu verändern. Wie und wo wir in Zukunft noch wohnen, hängt nicht zuletzt davon ab, wieviel es politisch kosten wird, den Leerstand und die hohen Mieten, Vertreibung und Ausgrenzung als neoliberale Form der Stadtentwicklung aufrechtzuerhalten.

Unsere Antwort: Widerstand

An der Uni Hamburg ist ab 14 Uhr Treffpunkt, um in Form von aktionistischen Stadtteilspaziergängen den Leerstand und die Auswirkungen neoliberaler Stadtpolitik in Hamburg zu erkunden. Wir rufen dazu auf, an dieser Erkundung und anderen Aktionen im Rahmen des Tages teilzunehmen. Die Realität in Hamburg ist nicht nur bestimmt von Mangel an Wohnraum, sondern auch von zahlreichem Leerstand. Hausbesetzungen sind für uns eine Form der Vergesellschaftung und Praxis, die nicht nur konkrete Räume zum Wohnen und für soziale Projekte schaffen können, sondern auch Kontrapunkte gegen die kapitalistische Stadtentwicklung darstellen.

Der Erhalt der Hafenstraße während der Barrikadentage 1987, die seit mittlerweile 23 Jahren besetze Rote Flora oder das vor drei Jahren belebte Gängeviertel sind positive Beispiele für diese Praxis. Weltweit und auch in Hamburg werden Menschen durch kapitalistische Krisen und neoliberalen Sozialabbau ärmer. Von Seiten des Staates wird verlangt, sich dem Marktdiktat unterzuordnen und an dieser Unterdrückung auch selbst aktiv mitzuwirken. Selbstbestimmte Aneignung ist nicht nur eine Position gegen solchen Standortnationalismus, sondern auch eine konkrete Interventionsform zur Selbsthilfe gegen ökonomische Zwänge.

Im Rahmen der Demonstration „Stadt selbst machen!“ im April 2011 haben wir mit vielen tausend Menschen, Initiativen und Gruppen nicht nur die Bereitschaft gezeigt, die besetzte Rote Flora gegen eine mögliche Räumung zu verteidigen – als Ort für eine unkommerzielle und selbstbestimmte Nutzung wie als bleibenden Störfaktor innerhalb städtischer Auseinandersetzungen. Darüber hinaus formulierte sich in der Demonstration ein breiter politischer Widerspruch von unterschiedlichen Personen und Gruppen, die ihre eigenen Kämpfe und Auseinandersetzungen zum Thema machten: Anwohner_innen, die sich auf St. Pauli gegen den Abriss der Esso Häuser wehren, Stadtteilaktivist_innen, die sich der Gentrifizierung in St. Georg oder Wilhelmsburg widersetzen oder für Projekte in Harburg und Altona kämpfen.

Warmlaufen gegen Leerstand und Mietenwahnsinn

Besetzungen und selbstorganisierte Projekte sind für uns nicht nur subkulturelle Ausdrucksformen, sondern besitzen die Möglichkeit einer massenhaften Praxis solidarischer Stadtentwicklung. Am 27.10. soll dies in Form von verschiedenen Stadteilspaziergängen mit medialer Begleitung aufgegriffen und deutlich gemacht werden. Es wird es kreative Beiträge geben, um den Mietenwahnsinn zu stoppen und alle sind aufgefordert, Stadt selbst zu machen – mit unterschiedlichsten Aktionsformen, an denen sich alle beteiligen können. Kommt am 27.10 um 14 Uhr zur Uni Hamburg, um von dort ausgehend den öffentlichen Raum zu erkunden. Macht euch zum Dietrich gegen die ausschließende Wohnungspolitik des Senates, schlängelt euch durch, lasst euch überraschen und plant eigene Überraschungen auf eurem Weg durch die Straßen.

Für die praktische Aneignung der Stadt
Wohnungsnot muss nicht sein…

Flora bleibt unverträglich

Aktionstag: „Suchst du noch oder wohnst du schon?“
am 27.10.2012
Treffpunkt: 14 Uhr Campus Uni Hamburg (vorm Audimax)

Flatterbandaktion – St. Pauli vernetzt sich!
um 15 Uhr von verschiedenen Orten

Kein Abriss Breite Strasse
17 Uhr Kundgebung und Lichterumzingelung

Demonstration 10.11.12 Mietenwahnsinn stoppen!
13.00 Uhr Hachmannplatz