Archiv für Mai 2013

Hausbesetzung in der Breiten Straße während des Hafengeburtstags in Hamburg

Herzlich Willkommen zum Tag der öffnen Tür!

Sehr geehrte Damen, Herren und Queers,
Liebe Kinder, Künstler_innen, Hausbesetzende, Wohnungssuchende, …
Hallo Nachbar_innen, Hallo Verantwortliche, Hallo Presse.

Wir feiern hier heute ein selbstverwaltetes, unkommerzielles Haus- und Hof-Fest, um diese Gründerzeithäuser vor dem Abriss zu retten!

Wir haben uns entschieden, heute die beiden Gründerzeithäuser in der Breiten Straße 114 & 116 zu beleben. Seit 2007 wurden die Häuser systematisch entmietet. Mittlerweile stehen die im 19. Jahrhundert erbauten Gebäude bis auf den letzten Mieter komplett leer.
Seit langem regen sich Proteste gegen die Abrisspläne und den Leerstand. Es gab z.B. ein Konzert und eine nächtliche Lichter-Aktion zum Erhalt der Häuser. Schon im November 2010 wurde durch Mieter helfen Mieter eine Leerstandsanzeige an das Bezirksamt Altona gerichtet. Behördlich verfolgt wurde die Anzeige gegen den Eigentümer scheinbar nie.

Dem Investor Frank Scheffler wurde im März – entgegen der Empfehlung des Bauamtes und unter Zustimmung aller Bezirksfraktionen mit Ausnahme der Linken – eine neue Baugenehmigung durch den Bauausschuss Altona erteilt. In der Breiten Straße 112 bis 116 soll Platz für einen riesigen Klotz mit Tiefgarage geschaffen werden, dafür sollen die Altbauten und der Spielplatz auf der Ecke weichen.

Infos zur Breiten Straße 112 bis 116:

Die Gründerzeithäuser in der Breiten Straße 114 und 116 sollen abgerissen werden. Eine Sanierung mit teurerer Neuvermietung sei angeblich untragbar teurer als das Abriss-Szenario mit Neubau, Tiefgarage etc. Wer bei diesen hübschen, inzwischen selten gewordenen Häusern an Denkmalschutz denkt, liegt nach Ansicht des Bezirksamtes völlig falsch. Schützenswert seien nämlich z.B. Bauten der Nachkriegszeit. Gründerzeithäuser nicht.
Spielplätze übrigens auch nicht: Der seit Jahren vernachlässigte Spielplatz auf der Ecke, in der Breiten Straße 112, soll komplett überbaut und durch einen kleineren ohne Bäume auf der Tiefgarage im schattigen Innenhof ersetzt werden. Na das klingt ja nach Spaß.

Die bis zur Bau-Genehmigung noch geplanten Sozialwohnungen sollen nach neusten Plänen übrigens doch nicht realisiert werden. Denn wenn hier mehr als 20 Wohnungen entstehen würden, müssten einige davon Sozialwohnungen werden. Die ursprünglich 25 neuen Wohnungen wurden daher jetzt vom Bauherr auf nur 19 korrigiert.

Heute sind 14 Wohnungen, plus kleine Ladenflächen im Erdgeschoss, seit mindestens drei Jahren leer. Der zukünftig „neu entstehende“ Wohnraum wird mit einer Kaltmiete von durchschnittlich 14,50€ den regionalen Mietenspiegel weiter mit in die Höhe treiben und somit langfristig zur Verdrängung der alt eingesessenen Bevölkerung Altonas beitragen.

Diese Entwicklung ist Ausdruck der seit Jahren massiv durch Senat und Bezirk forcierten Gentrifizierung, also der gezielten Aufwertung ganzer Stadtteile. Diese ist unmittelbar verbunden mit der generellen Veränderung der Stadtteile, ihrer kulturellen wie sozialen Zusammensetzung und der Verdrängung all jener Menschen, die sich die damit einhergehenden Mieterhöhungen nicht leisten können.

Interessanterweise saß Herr Hidde vom besagten Neubau-Klotz planenden Architekturbüro „Heyden und Hidde“ von 2008 bis 2011 als baupolitischer Sprecher der GAL in der Bezirksversammlung Altona. Doch bisher wurde eine Abrissgenehmigung noch nicht erteilt.

Abriss verhindern! Breite Straße erhalten, beleben, verteidigen!

Wir haben besseres zu tun, als dem profitorientierten Abriss von erhaltenswerten Wohnhäusern mitten in Hamburg zuzugucken. Die Gründerzeithäuser in der Breiten Straße könnten unseren neuen Räume werden.

Wir brauchen Wohnraum, aber wir wollen viel mehr. Was wir wollen sind Orte für alle: Häuser, die soziales Miteinander, Bildung, Engagement, Kritik, Kunst, Leben und Wohnen miteinander verbinden. Hier ist genug Raum zum Diskutieren, Leben, Wohnen, um Workshops durchzuführen, Ateliers zu eröffnen, gemeinsam Gemüse anzubauen und zu kochen, genug Platz für einen schöneren Spielplatz, Nachbarschaftstreff mit Umsonstladen, offene Räume, Werkstätten, Veranstaltungen, Platz für Kultur, Politik, Selbstverwaltung… Die Ideen sind viele!

Wir brauchen unkommerzielle und selbstverwaltete Zentren und Treffpunkte, in denen wir uns ausleben und experimentieren können; Orte, an denen wir solidarisch und selbstorganisiert über die Mauern der heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse hinaus denken und leben können.

Wir sehen Projekte wie das geliebte „Gängeviertel“, den „Schröderstift“ beim Schlump, die „Hafenstraße“-Häuser, die „Rote Straße“ in Göttingen und das „New Yorck im Bethanien“ in Berlin als unsere Vorbilder. Wir wollen dieses Haus langfristig selbst verwalten. Und wir wissen: Es ist möglich, Häuser zu erkämpfen und zu verteidigen. Also Los…

Den Widerstand in den Vierteln organisieren!

Wir senden solidarische Grüße allen Aktivist_innen, die sich bisher für den Erhalt der Häuser in der Breiten Straße eingesetzt haben: Die Initiative „Notgemeinschaft Breite Straße“ und die Initiative anna elbe, Grüße an alle Freund_innen vom AZ Altona (Wir fordern Freispruch für alle von Prozessen betroffenen!), an die Aktivist_innen der Esso-Häuser, an die Initiative „Rettet Elisa!“ in Hamm und alle, die mit uns für ein Recht auf Stadt kämpfen!

Wir wollen eine basisdemokratische Planung der Stadt, in der alle Platz haben – unabhängig von ihrem Geldbeutel. Daher freuen wir uns, euch und Ihnen unsere Ideen gegen den hier herrschenden Leerstand präsentieren zu können. Ihr seid herzlich eingeladen, uns einen Besuch abzustatten, euch einen Eindruck vom Haus zu machen und eure Ideen für alternative Nutzungen auszusprechen.

Wenn die Häuser leer sind und wir keine Wohnungen haben, werden wir die Häuser besetzen. Wenn sie abgerissen werden sollen, werden wir sie nutzen. Wenn die Stadt zum grauen Glas- und Betonblock werden soll, werden wir sie bunter machen!
Wenn unsere Nachbar_innen eine Wohnungskündigung erhalten, weil die Miete unbezahlbar geworden ist, werden wir die Zwangsräumung blockieren. Wenn der Staat versucht, mit Repression zu kommen, antworten wir mit Solidarität und Widerstand.

Wir machen die Stadt selber!
Kommt vorbei, lernt uns kennen. Macht mit!

Eure neuen Nachbar_innen.