Archiv für Juni 2013

Taksim ist überall – auch in Hamburg

In Istanbul wurde gestern abend der Gezi Park und der Taksim Platz von der Polizei geräumt. Dabei wurde auch massiv Tränengas eingesetzt. Es wird von zahllosen Polizeiübergriffen berichtet. Die Polizei drang dabei auch in Krankenhäuser ein um nach Aktivist_innen zu suchen. Wir rufen und andere Gruppen von Recht auf Stadt rufen deshalb in Hamburg für Sonntag den 16.06. um 18 Uhr zu einer Solidaritätsdemonstration am Park Fiction auf auf.

Park Fiction wird Gezi Park Hamburg.
Grauenhafte Bilder des brutalen Polizeieinsatzes gingen gestern Nacht um die Welt. Uns reicht’s: Wir benennen den Park jetzt um.
Kommt zahlreich zur Umbenennung des Parks, heute, Sonntag, 16. Juni, 18:00
Solidaritäts Fototermin, Kundgebung, öffentliches Anstossen

Anschliessend wollen wir gemeinsam zur Solidaritätsdemonstration linker türkischer und kurdischer Gruppen am Konsulat.

Manifestation und Talk-Show: Zwangsräumungen verhindern!

Kundgebung gegen Zwangsräumungen mit Betroffenen und Aktivist_innen aus Berlin und Hamburg -=am 15.06.2013 um 16:00 Uhr in der Schanzenstraße Ecke Ludwigstraße

“Zwangsräumungen leichtgemacht – Das neue Mietrecht ist ein Sieg für die Vermieterlobby”, so betitelte das ARD Politikmagazin ‘Report Mainz’ ein Anfang Mai eingeführtes Gesetz, das es Vermieter_innen künftig erlaubt, eine Zwangsräumung auch ohne vorherige richterliche Anhörung der Betroffenen im ad hoc Verfahren durchzuführen.

Nur einige Wochen zuvor verstarb eine Berliner Rentnerin kurz nach einer vollzogenen Zwangsräumung in einer Kältenotunterkunft. Nach einer Schätzung des Mieterbunds finden bundesweit rund 70.000 Zwangsräumungen pro Jahr statt, Tendenz steigend. Dass ausgerechnet der Berliner Todesfall von Anfang April diesen Jahres ein bundesweites Medienecho hervorrief, liegt nicht zuletzt an der Unterstützung des Berliner Bündnisses ‘Zwangsräumungen verhindern’. Durch praktizierte Solidarität in Form von Blockaden und unterstützender Medienarbeit wurde bereits vor der Zwangsräumung mit Todesfolge die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema gezogen und der eine oder andere Räumungstermin musste abgesagt werden.

In Hamburg tut sich hingegen wenig und es ist an der Zeit, dass sich daran etwas ändert. Nahezu 1.600 Zwangsräumungen hat es allein im vergangenen Jahr gegeben und angesichts der aktuellen Ereignisse drängen sich Fragen auf: Woher rührt das allgemeine Schweigen in Anbetracht solch hoher Zahlen? Bei wie vielen Zwangsräumungen wird physischer und psychischer Schaden der Betroffenen billigend in Kauf genommen? Wie viele von ihnen enden in der Obdachlosigkeit? Und können all diese Zwangsräumungen tatsächlich auf das individuelle Versagen der Betroffenen zurückgeführt werden? Wir sagen nein!

Denn Zwangsräumungen fallen nicht vom Himmel und sind auch nicht einfach ein Selbstverschulden der Betroffenen. Sie sind Ausdruck einer Gesellschaft, in der die Menschen über ihren Marktwert definiert werden. Sie sind Bestandteil eines kapitalistischen Systems von Zwängen, in dem der ökonomische Druck der Verhältnisse und deren politische und bürokratische Absicherung Hand in Hand gehen.

Auf der Ebene von Stadt spiegeln Zwangsräumungen Wohnungsknappheit und Mietenwahnsinn. Sie moderieren den Austausch der Bewohner_innen angesagter Innenstadtbereiche und sie sind repressives Instrument bei der Vertreibung ärmerer Menschen aus aufzuwertenden Vierteln, welche die „gewalttätigste Form der Gentrifizierung“ (Bündnis gegen Zwangsräumungen Berlin) darstellt.

Auf sozialpolitischer Ebene erfüllen Zwangsräumungen zudem eine wichtige Funktion bei der Maßregelung von HartzIV-Empfänger_innen und anderen marginalisierten Gruppen. Sie sind psychische Drohkulisse und finale Maßnahmen, um arbeitslose und gesellschaftlich schwache Menschen zur Aufgabe von vermeintlich unangemessenem Wohnraum und Lebensstandard zu veranlassen. Es geht darum, sie zu unterwerfen und ihnen eine Ethik des Verzichts aufzuzwingen.

Vor diesem Hintergrund bewegt uns, wie es seit dem vergangenen Jahr in Berlin gelungen ist, dass Hunderte auf die Straße gehen, um Zwangsräumungen zu verhindern, und wie diese Entwicklung politisch zu bewerten ist. Wie ist die Situation eigentlich in Hamburg? Gibt es auch hier die Bereitschaft, in diese Richtung aktiv zu werden? Und wie könnte das aussehen angesichts der Individualisierung und Vereinzelung der Betroffenen?

Darüber wollen wir im Rahmen einer öffentlichen Talkshow mit Gästen aus Berlin und Vertreter_innen verschiedener Initiativen aus Hamburg diskutieren. Mit dieser Kundgebung und darüber hinaus sollen Zwangsräumungen auch in Hamburg zum öffentlichen Thema gemacht und Interventionsformen entwickelt werden.

Der Protest gegen und die Verhinderung von Zwangsräumungen knüpft an den Widerstand gegen Gentrifizierung und Mietenwahnsinn an. Denn wie die Zwänge des Wohnungsmarktes insgesamt sind auch Zwangsräumungen kein privates Problem, sondern Ausdruck von Verhältnissen, gegen die wir uns wehren können, indem wir sie sichtbar machen und uns solidarisch einmischen. Die Verhinderung von Zwangsräumungen ist eine Praxis gegen die Eigentumslogik des Wohnungsmarkts und deren politischer Durchsetzung, gegen die Stadt als Unternehmen und ‚Standort‘. Einer Politik, wie aktuell der des SPD-Senats, die Wohnraum alternativlos als Ware begreift, wird entgegengewirkt und die Forderung nach einer Vergesellschaftung von Wohnraum in neuer Form auf die Tagesordnung gesetzt.

Im Rahmen der Kundgebung wird als ein erster Schritt ein „Info- und Anlaufpunkt Zwangsräumung verhindern!“ eingerichtet. Dieser richtet sich an von Zwangsräumungen Betroffene und Bedrohte, die solidarische Unterstützung suchen, dient aber auch dem Sammeln und Auswerten von Informationen sowie der Vernetzung von solidarischen Menschen, die in diese Richtung aktiv werden wollen.

Platz nehmen – Stühle mitbringen -Wohnraum vergesellschaften!
Die Stadt gehört allen!

Mehr Infos:
http://mietenwahnsinn.rechtaufstadt.net

Schanzenfesttreffen: Aktueller Stand, neuer Termin

Nach den Vorfällen auf dem Schanzenfest 2012 waren sich alle zumindest in zwei Punkten einig: dass es nicht einfach so weitergehen kann und sich ein neues Schanzenfest aus einem Diskussionsprozess entwickeln muss.

In unterschiedlicher, aber meist recht übersichtlicher Besetzung haben sich seit Anfang des Jahres alle 3-4 Wochen Leute getroffen, um Bedingungen und Entwicklung des Schanzenfests, Perspektiven, Vorschläge und Alternativen zu diskutieren. Hier wurden viele, zum Teil widersprüchliche und kontroverse Einschätzungen und Vorschläge zum Thema gemacht, von denen einige übernommen, andere verworfen wurden und über wieder andere noch gestritten wird.

Einigkeit besteht aber mittlerweile darüber, dass 2013 wohl kein Schanzenfest stattfinden wird – und sei es nur aufgrund der verbleibenden kurzen Zeit bis zum „gewohnten“ Termin. Stattdessen ist eine öffentliche Vollversammlung im Gespräch, auf der weniger über das Fest an sich als über politische Inhalte im Zusammenhang damit diskutiert werden soll, z.B. Entwicklung und Veränderungen im Stadtteil, Rolle der Militanz, etc. Hierzu muss es aber gelingen, weit mehr Gruppen und Einzelpersonen zu gewinnen, an solch einer Veranstaltung nicht nur teilzunehmen, sondern sie auch vorzubereiten und im Vorfeld mitzudiskutieren.

Das Schanzenfest-Treffen findet bis auf weiteres jeden zweiten Montag im Monat statt, ein fester Ort ist noch nicht endgültig festgelegt und Mitstreiter_innen sind willkommen!

Nächstes Treffen 10.Juni, 19 Uhr, Rote Flora