Archiv für September 2013

Dienstag 24.9. 19:30 Uhr
Autonome Modenschau

Am 24.9. findet eine Kundgebung mit einer autonomen Modenschau in Hamburg Pöseldorf statt. Wir wollen der dortige Bevölkerung und ansässigen Investor_innen die heißesten Trends der kommenden Auseinandersetzungen im Fall eines möglichen Angriffes auf die Rote Flora nahe bringen.

Auch wenn noch niemand genau weiß, was Gert Baer und Kretschmer genau planen, eine konventionelle Räumung ist laut Medien ebenso im Gespräch wie private Sicherheitsdienste oder eine heiße Sanierung. Die Zeichen der Zeit stehen zweifelsohne auf Sturm. Und wie immer, wenn radikale kulturelle Umwälzungen bevorstehen, hat dies auch großen Einfluss auf die Mode und den Style der Stadt.

Während in Stadtteilen wie dem Schanzenviertel und in Wilhelmsburg die Fashion der kommenden Aufstände und Krawall-Cotoure zu finden ist, während sich in Steilshop und Neuwiedenthal die Think-Tanks der kommenden Streetart befinden, bilden gutbetuchte, konservative Stadtteile wie Blankenese oder Pöseldorf immer noch die rückständigen Problemviertel der Marke Hamburg von morgen.

Das Flora Fashion Team informiert daher über Smashing-Trends von gestern und die aktuelle Riot-Couture. Jede Revolution beginnt mit der Zerstörung des Bestehenden. Ein angemessenes Outfit zu tragen, drückt nicht nur Zugehörigkeit und soziale Kompetenz aus, sondern ermöglicht auch gesellschaftliche Weiterentwicklung.

Die Modenschau ist zudem eine Mobilisierungsveranstaltung für einen autonomen Block auf der Demonstration gegen Mietenwahnsinn und kapitalistische Stadtentwicklung am 28.9. ab Millerntor. Achtet auf weitere Ankündigungen für das hippste Event des Jahres im Modemekka der Milchstraße, vor den Türen der Reichen und Schönen, wo Investorinnen einkaufen und den Abend ausklingen lassen.

Di. 24.9. Come as you are
Autonome Modenschau

19:30 Uhr Milchstraße Ecke Mittelweg
Zum Aufruf der Kundgebung | Zum Aufruf der Modenschau

Sa. 28.9. Demonstration und Autonomer Block
Gegen Abschiebungen, staatliche Repression und Mietenwahnsinn!
Autonome Projekte verteidigen – Wir bleiben alle!
14 Uhr Millerntorplatz St. Pauli
Aufruf zum autonomen Block

Demnächst wird es Flugies und Plakate geben!
Unterstützt die Modenschau und kommt zum autonomen Block!

24.9. Come as you are – Autonome Modenschau

Große weiße Villen, kleine Gassen, ehemalige Kutscherhäuser, hochklassige Antiquitäten- und Schmuckläden – Pöseldorf inspirierte schon Wolfgang Joop und Jil Sander: »Von Pöseldorf aus starteten sie ihre atemberaubenden internationalen Karrieren, und auch heute ist insbesondere die Milchstraße ein Magnet für Mode- und Lifestyle-Bewusste. Aber Pöseldorf wäre nicht das lebendige pulsierende Quartier, wenn nur die Reichen und Schönen sich dort heimisch fühlten: Jeder – ob Besucher, Bewohner oder Student – findet ganz ohne Stress seine ganz besonderen Lieblingsplätze und Anlaufadressen.«
Hamburg Tourism

Es tut sich was auf Hamburgs Straßen. Wer die Szene verfolgt, für den ist es kein Geheimnis: Investor Gert Baer arbeitet daran, die verschlafene Modewelt aufzuwecken. Mit hohem finanziellen Einsatz und trotz aller Risiken für sich selbst und das geschäftliche Umfeld in Pöseldorf hat er die Rote Flora in sein Immobilien-Portfolio aufgenommen.

Auch wenn niemand genau weiß, was der schweigsame Lenker und Klaus Martin Kretschmer wirklich planen. Eine konventionelle Räumung ist laut Medien ebenso im Gespräch wie der Einsatz von Security oder eine heiße Sanierung. Die Zeichen der Zeit stehen zweifelsohne auf Sturm. Und wie immer, wenn radikale kulturelle Umwälzungen bevorstehen, hat dies auch großen Einfluss auf die Mode und den Style der Stadt.

Während in der Schanze und in Wilhelmsburg die Trends der kommenden Aufstände zu finden sind, während sich in Steilshop und Neuwiedenthal die Think Tanks der kommenden Street Art befinden, bilden gutbetuchte, konservative Stadtteile wie Blankenese oder Pöseldorf immer noch die rückständigen Problemviertel der Marke Hamburg von morgen.

Die Menschen haben dort häufig kaum Erfahrung und große Scheu, wenn trendige Sturmhauben, schwarze Helme oder andere innovative Accessoires im Straßenbild auftauchen. Dabei gehören Barrikaden, Scherbendemos oder zerstörte Luxuslimousinen im Fall einer Räumung der Roten Flora bald möglicherweise zum Alltag in genau diesen Stadtteilen.

Prada und Manolo sind von gestern. Wer in Zukunft beim Spaziergang durch nächtliche Straßenschlachten mit Klasse beeindrucken will, braucht Stilsicherheit bei der Auswahl der Garderobe. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Kein Mix unterschiedlicher Proteststile und vor allem nicht die wichtigen Accessoires vergessen.

Die Sonnenbrille zum Halstuch zu vergessen kann unangenehm auffallen. Zur Hasskappe leichte Sandalen zu tragen lässt schnell ausrutschen auf dem rutschigen Parkett internationaler Proteste. Für stilsichere und schlagkräftige Argumente darf heutzutage ein kurzes Alibifähnchen als passender Farbtupfer getragen werden. Strohsäcke oder Plexiglasscheiben runden das Outfit vieler globalisierungsktitischer Aktivist_innen ab. Der Rock zur Hasskappe sorgt für Irritationen und stellt den Militanzfetisch der letzten Saison in Frage.

Hamburg steht in Konkurrenz mit Metropolen wie Berlin, Kopenhagen, Athen oder der neuen Protest-Location Istanbul. Rund um den Taksimplatz ist einer der kreativsten Hot-Spots der Riot-Mode entstanden. Die Choreographie der Proteste und Straßenschlachten hat in allen Metropolen der Welt neue Impulse gesetzt.

Auch im Norden prägen junge Talente raffinierte Trends und konkurrieren mit Protestevents im Wettbewerb um die kreativen Köpfe der Riot-Couture. Wichtiger Kreativ-Tank ist und bleibt dabei eines der großen, klassischen Häuser. Es hat die autonome Linie von Generationen geprägt hat: Die Rote Flora. Hier kracht und raucht es an Schanzenfesten und Maifeiertagen. Hier wird Hass auf das System gelebt. Hier wird Randale im Original entwickelt. Ohne besetzte Häuser wie die Rote Flora wäre die Widerstandskultur in der Metropolregion heute nicht dort, wo sie steht. Und sie steht gut da. Im Gängeviertel ist durch mühevolle Besetzungsarbeit etwas entstanden, im Centro Sociale wird an übergreifenden Trends gearbeitet und auf St. Pauli ist bereits das nächste große Ding im Kommen.

Fast unbemerkt hat sich aus dem kleinen lokalen Konfliktherd um die Esso Häuser ein brandheißer Protest-Pool von überregionalem Interesse entwickelt. Wer wehmütig an modische Innovationen von Barrikadentagen und Bambule denkt, darf gespannt sein. Hier werden mit Unterstützung des Senats und der Bayrischen Hausbau schon heute die Trends von morgen gesetzt. Keiner sollte diese spannenden Entwicklungen verpassen, die neue Urbanität in den Kleiderschrank bringen und sowohl zum großen Krawall und Remmidemmi, als auch direkt vor der Tür zur kleinen Aktion in der Abendstunde getragen werden können.

Jede Revolution beginnt mit der Zerstörung des Bestehenden. Ein angemessenes Outfit zu tragen, drückt nicht nur Zugehörigkeit und soziale Kompetenz aus, sondern ermöglicht auch gesellschaftliche Weiterentwicklung. Die richtige Mode kann auch Ihren Charakter formen, wenn sie passend zum Anlass gewählt ist. Es muss nicht immer gleich die militante Gruppe sein. Auch in kleiner Runde kann bei richtigem Timing ein unauffällig getragenes Tuch große Wirkung erzeugen. Und etwas richtig platzierte Farbe wird sicher auch in Ihrem Umfeld auf Begeisterung stoßen und für Zustimmung sorgen.

Die Mode wartet nicht, sie schreitet voran. Lassen Sie sich diese einzigartige Veranstaltung in der teuersten Wohnlage Hamburgs, wo internationale Stars essen gehen und feiern, Investor_innen und Kapitalgesellschaften ihr Zuhause haben und die Reichen und Schönen in ihren Villen residieren, nicht entgehen. Brennt die Marke Hamburg auch für Sie? Wir sagen ja und teilen unseren Style gerne mit der ganzen Stadt, denn es darf kein Gefälle mehr geben. Was in der Schanze passt, muss auch in Pöseldorf tragbar werden.

Sie kannten Autonome bisher nur aus der Zeitung? In Ihrer Straße gab es noch keine Vermummten? Pink and Silver halten Sie für ein Duo? Dies wird sich ändern. Informieren Sie noch heute Ihre Nachbar_innen und beleben Sie mit uns die nächtliche Milchstraße für Ihr persönliches Coming Out. Nach dieser Nacht wird für Sie nichts mehr dasselbe sein.

Aber es kommt noch besser. Für alle, die ihren neuen Trend direkt auf der Straße präsentieren wollen, besteht die Möglichkeit, sich am 28. September einem autonomen Block auf der Demonstration gegen Mietenwahnsinn und kapitalistische Stadtentwicklung anzuschließen.

Wir sind ein Bild aus der Zukunft!
Flora bleibt unverträglich

24.9. Autonome Modenschau
19:30 Uhr Milchstraße / Ecke Mittelweg

24.9. Kundgebung & Modenschau

Rote Flora bleibt Problemimmobilie!
Investor_innenarchitektur umkrempeln – Stadt selbst machen!

Dienstag, 24. September 2013 / 19.30 Uhr / Milchstraße, Ecke Mittelweg

„Wer das kaufen will, muss Stress mögen“ steht in Großbuchstaben auf einem Transparent an der Roten Flora, seit bekannt geworden ist, dass der formale Eigentümer Kretschmer Gebäude und Grundstück nach unseren Informationen bereits vermietet hat und deren Verkauf plant. Wahrscheinlich geht der Zuschlag direkt oder indirekt an den Pöseldorfer Anwalt und Immobilienunternehmer Gerhard Baer, als Gegenleistung dafür, dass er Kretschmer mit fünf Millionen Euro vor der Insolvenz gerettet hat. Wir erteilen allen Versuchen, am Status der Flora als besetztes Projekt – sei es durch Verkauf und Räumung, Verträge und Vereinnahmung oder klammheimliche Inbesitznahme – etwas zu ändern, eine deutliche Absage und halten daran fest: Die Rote Flora bleibt Problemimmobilie und ein Schwarzes Loch in der Eigentumsordnung!

Zuletzt hat eine gebetsmühlenartig vorgetragene Beschwichtigungskampagne die Medien dominiert und die Altonaer Bezirkspolitik unermüdlich darauf verwiesen, mit dem Dreigestirn aus Bebauungsplanänderung, Fortführung des Sanierungsgebietes und Klauseln im Kaufvertrag alles im Griff zu haben. Tatsächlich aber ist die Situation keineswegs so gewiss, wie hier durch vermeintliche Kompetenz und Sachverstand suggeriert werden soll. Im Falle eines gewinnträchtigen Weiterverkaufs ist eine Vertragsstrafe für die Missachtung alter Klauseln schnell in Kauf genommen. Und ebenso wie eingeführt, können und werden Bebauungspläne wieder gekippt werden, sobald es politisch oder ökonomisch opportun erscheint. Zudem ist die aktuelle Bebauungsplanänderung noch gar nicht verabschiedet und würde frühestens Anfang nächsten Jahres in Kraft treten, wobei auch die Kombination mit dem verlängerten Sanierungsgebiet zu sich teilweise widersprechenden rechtlichen Bestimmungen geführt hat. Welche Möglichkeiten sich daraus für Investor_innen mit verwaltungsjuristischem Sachverstand eröffnen, ist für uns nicht absehbar.

Wir nehmen aber zur Kenntnis, dass keineswegs derart unüberwindbare Hürden für eine kommerzielle Nutzung des Gebäudes bestehen, wie von Politik und Medien behauptet wird. Zudem ist es noch nie unser Ding gewesen, die Flora innerhalb der kapitalistischen Eigentumsordnung etablieren zu wollen, und der Konflikt um das Projekt bleibt bestehen, solange diese Ordnung existiert.

Uns geht es bei der Verteidigung der Roten Flora als besetztes, autonomes und kulturelles Zentrum nicht nur um den Erhalt des Projektes, sondern um dessen Weiterentwicklung als Störfaktor im Kampf gegen kapitalistische Standortpolitik, städtische Aufwertung, Ausgrenzung und Vertreibung. Wir lehnen eine Privatisierung des Öffentlichen und eine Ökonomisierung des Sozialen grundsätzlich ab und sehen uns von derselben Logik angegriffen, die auch die Gentrifizierung in Wilhelmsburg vorantreibt, für die Vertreibung am Hauptbahnhof und in der City verantwortlich ist oder sich in den Kämpfen von Mieter_innen gegen Zwangsräumungen und Mietenwahnsinn abbildet.

Kapitalistische Interessen und Verwertbarkeit werden allerorts zum alleingültigen Kriterium gesellschaftlichen Zusammenlebens erklärt und als Argument herangezogen, wenn eine Sanierung der Esso-Häuser angeblich zu teuer ist oder die Polizei auf die Straße geschickt wird, sobald es um die Umsätze und den Konsum in den Einkaufstraßen geht. Es ist die gesamte Kosten-Nutzen Rechnung der Marke Hamburg, auf die wir kotzen.

Entsprechend verstehen wir den Kampf um die Rote Flora nach wie vor nicht als einen Konflikt um die privatwirtschaftlichen Interessen austauschbarer Investor_innen, sondern als eine gesellschaftliche Frage um den Begriff von Stadt und werden die Auseinandersetzung auf diesem Niveau führen. Gegen die Stadt der ökonomischen Interessen und eine autoritäre Ordnungspolitik setzen wir die solidarische Vernetzung aller, die nicht länger bereit sind, die Dinge so hinzunehmen, wie sie sind, und die Stadt und das Leben um sich herum selbstbestimmt und solidarisch gestalten wollen. Dass die gesellschaftlichen Verhältnisse keine Naturgesetze sind, sondern veränderbar, davon zeugen nicht nur die Erfahrungen der Kämpfe um die Hafenstraße oder gegen Atomprojekte, sondern auch die Proteste der Gegenwart wie etwa antifaschistische Mobilisierungen, Refugee Camps, antimilitaristische Aktionen, Verhinderungen von Zwangsräumungen oder zuletzt der Kampf um den Gezi Park, dessen Parolen in Hamburg solidarisch mit gerufen wurden. Wir sind Teil von alledem und bleiben in Bewegung.

Das bedeutet auch, das gesamte Terrain der Stadt als Auseinandersetzungsfeld zu erschließen. Daherwerden wir am 24.09. unser Aufbegehren in Form einer Kundgebung nun auch nach Pöseldorf tragen und die Investor_innenarchitektur an diesem bislang vernachlässigten Hotspot kapitalistischer Verwertungsinteressen in den Blick nehmen. Wir wollen uns kritisch mit den dortigen Gentrifizierungsprozessen befassen, die widerstandsfernen Schichten in diesem Milieu über aktuelle und kommende stadtpolitische Kämpfe informieren und im Rahmen einer autonomen Modenschau die unterschiedlichen gegenwärtigen, historischen und zukünftigen Styles von Protest- und Krawallmode in einem einzigartigen Clash der Couturen verschmelzen lassen!

Gegen jeden modischen Konformismus und die Herrschaft des Kapitals!
Gegen die Stadt der Autoritäten und Kontrollen – Wir bleiben alle! Come as you are!

28.9. Überregionaler Autonomer Block

Für die Vergesellschaftung der Städte!
Häuser besetzen – Investor_innen enteignen – autonome Projekte verteidigen!

Im Rahmen der Demo „Keine Profite mit der Miete“ rufen wir zu einem überregionalen autonomen Block für besetzte Häuser und Projekte auf, der sich gegen Mietenwahnsinn und kapitalistische Stadtentwicklung richtet. Wir wollen damit unsere Solidarität mit Besetzer_innen, autonomen Zentren und selbstbestimmten Wohnprojekten zum Ausdruck bringen, kündigen für den Fall eines Angriffes auf die Roten Flora oder anderer Projekte unseren Widerstand an und senden widerspenstige Grüße an die kürzlich durchsuchten Häuser in Berlin.

Bei aller Unterschiedlichkeit von Wohnformen, besetzten Häusern und Autonomen Zentren, ob mit Vertrag und Miete, in Verhandlungen, als Genossenschaft, syndikalistisch oder unverträglich. Wir lassen uns nicht auseinander dividieren. Wird ein Projekt angegriffen, werden wir alle angegriffen.

Wagenplätze, Kultur- und Hausprojekte sind wichtige Bestandteile einer selbstbestimmten stadtpolitischen Entwicklung. Wir appellieren dabei nicht an die Politik, sondern setzen unsere praktischen Erfahrungen und Utopien gegen die vermeintlichen Sachzwänge der kapitalistischen Stadt.

Mieten? Braucht kein Mensch!

Der Kampf von Mieter_innen gegen Zwangsräumungen ist ebenso ein Teil hiervon wie die Proteste gegen Mietenwahnsinn und Wohnraum als Ware. Es geht in der Perspektive um eine radikale Veränderung des sozialen und politischen Lebens: Die Vergesellschaftung des Wohnraumes. Sind Mieten notwendig? Müssen Häuser besessen werden? Für uns ist Wohnen oder Nahverkehr keine Frage von Besitz, sondern wie das Betreten von Parkanlagen eine gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit.

Anders als es das Motto der Demo nahe legt, ist nicht allein das Problem, dass Profite mit der Miete gemacht werden, sondern Mieten sind Teil der krisenhaften Dynamiken der warenproduzierenden Gesellschaft, die auf Privateigentum und Ausbeutung beruht.

Mieten bilden ein Diapositiv von Lohnarbeitszwängen und Armut. Wer keinen Job hat, wird verdrängt, muss umziehen oder wird in die Wohnungslosigkeit gedrängt. Mieten sind kein Naturgesetz, sondern Ausdruck kapitalistischer Abhängigkeiten. Sie bilden Hierarchien ab und stehen einem gleichberechtigten Leben entgegen. Sie gehören abgeschafft.

In der Gesellschaft, in der wir leben, gibt es nichts, das niemandem gehören darf. Wenn ein Mensch stirbt und niemand dessen Hinterlassenschaften will, muss der Staat als Zwangserbe einspringen. Aus demselben Grund wird eine Löschung aus dem Grundbuch oder der Besetzt-Status der Roten Flora als illegal betrachtet. Während die Besitzlosigkeit der Dinge also verboten ist, gelten Armut und Besitzlosigkeit von Menschen als legal, erlaubt und unvermeidlicher Sachzwang eines gutgeführten Unternehmens Stadt.

Indem Dinge, die selbstverständlich sein sollten, zur Ware gemacht werden, werden diese nicht nur dem Öffentlichen und Gemeinsamen entrissen, sondern uns gleichzeitig ein Platz in der Gesellschaft zugewiesen: Der der Käuferin oder des Verkäufers, vor oder hinter der Ladentheke. Die Beziehung zwischen uns und die Räume in der Stadt werden einzig und allein ökonomisch definiert. Besitz und Verwertbarkeit dominieren als gesellschaftliche Grundlage. Sie trennen und hierarchisieren die Menschen in ihren Verhältnissen zueinander, anstatt die Herstellung eines Gemeinsamen an Orten kultureller Aushandlung zu ermöglichen.

Gegen den Ausverkauf der Stadt

Ob Privatwirtschaft oder städtische Standortpolitik, beides orientiert sich nicht an den Bedürfnissen und dem Bedarf der Menschen, sondern an kapitalistischen Kosten-Nutzen-Rechnungen. Flüchtlinge, Drogenkonsument_innen, Menschen mit zugeschriebenem Migrationshintergrund oder wenig Geld werden wie viele andere systematisch aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Wir lehnen diese Verhältnisse ab, da das Zusammenleben für uns eine Frage von Aushandlung und Assoziation ist. Die Stadt gehört nicht der etablierten Politik, Investor_innen oder Investmentfonds, sondern allen. Und alle haben denselben Anspruch darauf.

Mit einer Stadt, die sich als Unternehmen begreift und einer auf Privatwirtschaft abzielenden Stadtentwicklung ist für uns keine Zukunft denkbar. Unsere Kritik ist daher notwendigerweise radikal und grundsätzlich. Denn ohne Überwindung der kapitalistischen Verhältnisse ist kein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Zusammenleben möglich. Ohne die Abschaffung anderer Herrschaftsmuster wie zum Beispiel patriarchaler Strukturen reproduzieren wir bestehende Zwänge, ohne Aufstände und Revolten treten wir auf der Stelle der Geschichte und kommen nicht vom Fleck.

Wir wenden uns gegen Privatisierungen, kämpfen für selbstbestimmte Projekte und Praktiken der Aneignung und stellen uns solidarisch der Repression entgegen. Strafverfahren, wie gegen die Besetzer_innen der Juliusstraße, halten uns nicht davon ab, die Luxus-Mahagonitüren des Leerstandes aufzubrechen. Hausdurchsuchungen, wie zuletzt in der Rigaer Straße und anderen Wohnungen in Berlin, dienen der Einschüchterung und Kontrolle. Sie treffen wenige und meinen uns alle. Solidarität ist für uns deshalb nicht nur eine Praxis der Unterstützung, sondern Ausdruck derselben Unzufriedenheit, derselben Praxis und Bewegungsrichtung. Unsere Perspektive ist Vergesellschaftung und die Teilhabe aller, nicht als avantgardistisches Projekt, sondern als breite soziale Bewegung, die sich in unterschiedlichen Kämpfen aufeinander bezieht.

Wir sind daher solidarisch mit dem Wohnprojekt Vereinsstraße in Hamburg, das von der Stadterneuerungsgesellschaft verkauft und zerstört werden soll. Wir sind solidarisch mit dem Widerstand der Bewohner_innen der Esso-Häuser auf St. Pauli, die abgerissen und profitabel saniert werden sollen. Wir verstehen uns als Teil der bundesweiten Flüchtlingsproteste und des Kampfes gegen das europäische Grenzregime. Wir schauen nicht weg, sondern greifen ein, wenn Jugendliche in Altona-Altstadt rassistischen Kontrollen ausgesetzt sind und mittels Gefahrengebieten Zonen repressiver Willkür geschaffen werden. Dies alles ist für uns untrennbar verbunden, wenn wir gegen Mietenwahnsinn und für autonome Projekte auf die Straße gehen.

Wohnen für alle und zwar umsonst!
Esso-Häuser, Vereinsstraße und alle anderen Wohnungen in Mieter_innenselbstverwaltung!
Weg mit Residenzpflicht und Abschiebelagern!
Solidarität mit den durchsuchten Projekten in Berlin – unite
d we stand!

Kampagne Flora bleibt unverträglich