24.9. Come as you are – Autonome Modenschau

Große weiße Villen, kleine Gassen, ehemalige Kutscherhäuser, hochklassige Antiquitäten- und Schmuckläden – Pöseldorf inspirierte schon Wolfgang Joop und Jil Sander: »Von Pöseldorf aus starteten sie ihre atemberaubenden internationalen Karrieren, und auch heute ist insbesondere die Milchstraße ein Magnet für Mode- und Lifestyle-Bewusste. Aber Pöseldorf wäre nicht das lebendige pulsierende Quartier, wenn nur die Reichen und Schönen sich dort heimisch fühlten: Jeder – ob Besucher, Bewohner oder Student – findet ganz ohne Stress seine ganz besonderen Lieblingsplätze und Anlaufadressen.«
Hamburg Tourism

Es tut sich was auf Hamburgs Straßen. Wer die Szene verfolgt, für den ist es kein Geheimnis: Investor Gert Baer arbeitet daran, die verschlafene Modewelt aufzuwecken. Mit hohem finanziellen Einsatz und trotz aller Risiken für sich selbst und das geschäftliche Umfeld in Pöseldorf hat er die Rote Flora in sein Immobilien-Portfolio aufgenommen.

Auch wenn niemand genau weiß, was der schweigsame Lenker und Klaus Martin Kretschmer wirklich planen. Eine konventionelle Räumung ist laut Medien ebenso im Gespräch wie der Einsatz von Security oder eine heiße Sanierung. Die Zeichen der Zeit stehen zweifelsohne auf Sturm. Und wie immer, wenn radikale kulturelle Umwälzungen bevorstehen, hat dies auch großen Einfluss auf die Mode und den Style der Stadt.

Während in der Schanze und in Wilhelmsburg die Trends der kommenden Aufstände zu finden sind, während sich in Steilshop und Neuwiedenthal die Think Tanks der kommenden Street Art befinden, bilden gutbetuchte, konservative Stadtteile wie Blankenese oder Pöseldorf immer noch die rückständigen Problemviertel der Marke Hamburg von morgen.

Die Menschen haben dort häufig kaum Erfahrung und große Scheu, wenn trendige Sturmhauben, schwarze Helme oder andere innovative Accessoires im Straßenbild auftauchen. Dabei gehören Barrikaden, Scherbendemos oder zerstörte Luxuslimousinen im Fall einer Räumung der Roten Flora bald möglicherweise zum Alltag in genau diesen Stadtteilen.

Prada und Manolo sind von gestern. Wer in Zukunft beim Spaziergang durch nächtliche Straßenschlachten mit Klasse beeindrucken will, braucht Stilsicherheit bei der Auswahl der Garderobe. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Kein Mix unterschiedlicher Proteststile und vor allem nicht die wichtigen Accessoires vergessen.

Die Sonnenbrille zum Halstuch zu vergessen kann unangenehm auffallen. Zur Hasskappe leichte Sandalen zu tragen lässt schnell ausrutschen auf dem rutschigen Parkett internationaler Proteste. Für stilsichere und schlagkräftige Argumente darf heutzutage ein kurzes Alibifähnchen als passender Farbtupfer getragen werden. Strohsäcke oder Plexiglasscheiben runden das Outfit vieler globalisierungsktitischer Aktivist_innen ab. Der Rock zur Hasskappe sorgt für Irritationen und stellt den Militanzfetisch der letzten Saison in Frage.

Hamburg steht in Konkurrenz mit Metropolen wie Berlin, Kopenhagen, Athen oder der neuen Protest-Location Istanbul. Rund um den Taksimplatz ist einer der kreativsten Hot-Spots der Riot-Mode entstanden. Die Choreographie der Proteste und Straßenschlachten hat in allen Metropolen der Welt neue Impulse gesetzt.

Auch im Norden prägen junge Talente raffinierte Trends und konkurrieren mit Protestevents im Wettbewerb um die kreativen Köpfe der Riot-Couture. Wichtiger Kreativ-Tank ist und bleibt dabei eines der großen, klassischen Häuser. Es hat die autonome Linie von Generationen geprägt hat: Die Rote Flora. Hier kracht und raucht es an Schanzenfesten und Maifeiertagen. Hier wird Hass auf das System gelebt. Hier wird Randale im Original entwickelt. Ohne besetzte Häuser wie die Rote Flora wäre die Widerstandskultur in der Metropolregion heute nicht dort, wo sie steht. Und sie steht gut da. Im Gängeviertel ist durch mühevolle Besetzungsarbeit etwas entstanden, im Centro Sociale wird an übergreifenden Trends gearbeitet und auf St. Pauli ist bereits das nächste große Ding im Kommen.

Fast unbemerkt hat sich aus dem kleinen lokalen Konfliktherd um die Esso Häuser ein brandheißer Protest-Pool von überregionalem Interesse entwickelt. Wer wehmütig an modische Innovationen von Barrikadentagen und Bambule denkt, darf gespannt sein. Hier werden mit Unterstützung des Senats und der Bayrischen Hausbau schon heute die Trends von morgen gesetzt. Keiner sollte diese spannenden Entwicklungen verpassen, die neue Urbanität in den Kleiderschrank bringen und sowohl zum großen Krawall und Remmidemmi, als auch direkt vor der Tür zur kleinen Aktion in der Abendstunde getragen werden können.

Jede Revolution beginnt mit der Zerstörung des Bestehenden. Ein angemessenes Outfit zu tragen, drückt nicht nur Zugehörigkeit und soziale Kompetenz aus, sondern ermöglicht auch gesellschaftliche Weiterentwicklung. Die richtige Mode kann auch Ihren Charakter formen, wenn sie passend zum Anlass gewählt ist. Es muss nicht immer gleich die militante Gruppe sein. Auch in kleiner Runde kann bei richtigem Timing ein unauffällig getragenes Tuch große Wirkung erzeugen. Und etwas richtig platzierte Farbe wird sicher auch in Ihrem Umfeld auf Begeisterung stoßen und für Zustimmung sorgen.

Die Mode wartet nicht, sie schreitet voran. Lassen Sie sich diese einzigartige Veranstaltung in der teuersten Wohnlage Hamburgs, wo internationale Stars essen gehen und feiern, Investor_innen und Kapitalgesellschaften ihr Zuhause haben und die Reichen und Schönen in ihren Villen residieren, nicht entgehen. Brennt die Marke Hamburg auch für Sie? Wir sagen ja und teilen unseren Style gerne mit der ganzen Stadt, denn es darf kein Gefälle mehr geben. Was in der Schanze passt, muss auch in Pöseldorf tragbar werden.

Sie kannten Autonome bisher nur aus der Zeitung? In Ihrer Straße gab es noch keine Vermummten? Pink and Silver halten Sie für ein Duo? Dies wird sich ändern. Informieren Sie noch heute Ihre Nachbar_innen und beleben Sie mit uns die nächtliche Milchstraße für Ihr persönliches Coming Out. Nach dieser Nacht wird für Sie nichts mehr dasselbe sein.

Aber es kommt noch besser. Für alle, die ihren neuen Trend direkt auf der Straße präsentieren wollen, besteht die Möglichkeit, sich am 28. September einem autonomen Block auf der Demonstration gegen Mietenwahnsinn und kapitalistische Stadtentwicklung anzuschließen.

Wir sind ein Bild aus der Zukunft!
Flora bleibt unverträglich

24.9. Autonome Modenschau
19:30 Uhr Milchstraße / Ecke Mittelweg

  • Twitter
  • Facebook