24.9. Kundgebung & Modenschau

Rote Flora bleibt Problemimmobilie!
Investor_innenarchitektur umkrempeln – Stadt selbst machen!

Dienstag, 24. September 2013 / 19.30 Uhr / Milchstraße, Ecke Mittelweg

„Wer das kaufen will, muss Stress mögen“ steht in Großbuchstaben auf einem Transparent an der Roten Flora, seit bekannt geworden ist, dass der formale Eigentümer Kretschmer Gebäude und Grundstück nach unseren Informationen bereits vermietet hat und deren Verkauf plant. Wahrscheinlich geht der Zuschlag direkt oder indirekt an den Pöseldorfer Anwalt und Immobilienunternehmer Gerhard Baer, als Gegenleistung dafür, dass er Kretschmer mit fünf Millionen Euro vor der Insolvenz gerettet hat. Wir erteilen allen Versuchen, am Status der Flora als besetztes Projekt – sei es durch Verkauf und Räumung, Verträge und Vereinnahmung oder klammheimliche Inbesitznahme – etwas zu ändern, eine deutliche Absage und halten daran fest: Die Rote Flora bleibt Problemimmobilie und ein Schwarzes Loch in der Eigentumsordnung!

Zuletzt hat eine gebetsmühlenartig vorgetragene Beschwichtigungskampagne die Medien dominiert und die Altonaer Bezirkspolitik unermüdlich darauf verwiesen, mit dem Dreigestirn aus Bebauungsplanänderung, Fortführung des Sanierungsgebietes und Klauseln im Kaufvertrag alles im Griff zu haben. Tatsächlich aber ist die Situation keineswegs so gewiss, wie hier durch vermeintliche Kompetenz und Sachverstand suggeriert werden soll. Im Falle eines gewinnträchtigen Weiterverkaufs ist eine Vertragsstrafe für die Missachtung alter Klauseln schnell in Kauf genommen. Und ebenso wie eingeführt, können und werden Bebauungspläne wieder gekippt werden, sobald es politisch oder ökonomisch opportun erscheint. Zudem ist die aktuelle Bebauungsplanänderung noch gar nicht verabschiedet und würde frühestens Anfang nächsten Jahres in Kraft treten, wobei auch die Kombination mit dem verlängerten Sanierungsgebiet zu sich teilweise widersprechenden rechtlichen Bestimmungen geführt hat. Welche Möglichkeiten sich daraus für Investor_innen mit verwaltungsjuristischem Sachverstand eröffnen, ist für uns nicht absehbar.

Wir nehmen aber zur Kenntnis, dass keineswegs derart unüberwindbare Hürden für eine kommerzielle Nutzung des Gebäudes bestehen, wie von Politik und Medien behauptet wird. Zudem ist es noch nie unser Ding gewesen, die Flora innerhalb der kapitalistischen Eigentumsordnung etablieren zu wollen, und der Konflikt um das Projekt bleibt bestehen, solange diese Ordnung existiert.

Uns geht es bei der Verteidigung der Roten Flora als besetztes, autonomes und kulturelles Zentrum nicht nur um den Erhalt des Projektes, sondern um dessen Weiterentwicklung als Störfaktor im Kampf gegen kapitalistische Standortpolitik, städtische Aufwertung, Ausgrenzung und Vertreibung. Wir lehnen eine Privatisierung des Öffentlichen und eine Ökonomisierung des Sozialen grundsätzlich ab und sehen uns von derselben Logik angegriffen, die auch die Gentrifizierung in Wilhelmsburg vorantreibt, für die Vertreibung am Hauptbahnhof und in der City verantwortlich ist oder sich in den Kämpfen von Mieter_innen gegen Zwangsräumungen und Mietenwahnsinn abbildet.

Kapitalistische Interessen und Verwertbarkeit werden allerorts zum alleingültigen Kriterium gesellschaftlichen Zusammenlebens erklärt und als Argument herangezogen, wenn eine Sanierung der Esso-Häuser angeblich zu teuer ist oder die Polizei auf die Straße geschickt wird, sobald es um die Umsätze und den Konsum in den Einkaufstraßen geht. Es ist die gesamte Kosten-Nutzen Rechnung der Marke Hamburg, auf die wir kotzen.

Entsprechend verstehen wir den Kampf um die Rote Flora nach wie vor nicht als einen Konflikt um die privatwirtschaftlichen Interessen austauschbarer Investor_innen, sondern als eine gesellschaftliche Frage um den Begriff von Stadt und werden die Auseinandersetzung auf diesem Niveau führen. Gegen die Stadt der ökonomischen Interessen und eine autoritäre Ordnungspolitik setzen wir die solidarische Vernetzung aller, die nicht länger bereit sind, die Dinge so hinzunehmen, wie sie sind, und die Stadt und das Leben um sich herum selbstbestimmt und solidarisch gestalten wollen. Dass die gesellschaftlichen Verhältnisse keine Naturgesetze sind, sondern veränderbar, davon zeugen nicht nur die Erfahrungen der Kämpfe um die Hafenstraße oder gegen Atomprojekte, sondern auch die Proteste der Gegenwart wie etwa antifaschistische Mobilisierungen, Refugee Camps, antimilitaristische Aktionen, Verhinderungen von Zwangsräumungen oder zuletzt der Kampf um den Gezi Park, dessen Parolen in Hamburg solidarisch mit gerufen wurden. Wir sind Teil von alledem und bleiben in Bewegung.

Das bedeutet auch, das gesamte Terrain der Stadt als Auseinandersetzungsfeld zu erschließen. Daherwerden wir am 24.09. unser Aufbegehren in Form einer Kundgebung nun auch nach Pöseldorf tragen und die Investor_innenarchitektur an diesem bislang vernachlässigten Hotspot kapitalistischer Verwertungsinteressen in den Blick nehmen. Wir wollen uns kritisch mit den dortigen Gentrifizierungsprozessen befassen, die widerstandsfernen Schichten in diesem Milieu über aktuelle und kommende stadtpolitische Kämpfe informieren und im Rahmen einer autonomen Modenschau die unterschiedlichen gegenwärtigen, historischen und zukünftigen Styles von Protest- und Krawallmode in einem einzigartigen Clash der Couturen verschmelzen lassen!

Gegen jeden modischen Konformismus und die Herrschaft des Kapitals!
Gegen die Stadt der Autoritäten und Kontrollen – Wir bleiben alle! Come as you are!

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