Archiv für August 2014

Gegen die Totschlagargumente der inneren Sicherheit – Solidarität mit den Kriminalisierten der Breiten Straße

Die Kampagne Flora bleibt unverträglich hat sich auf den Squatting Days solidarisch mit den Betroffenen der Ermittlungsverfahren wegen der Breite Straße Besetzung erklärt.

“Seit einigen Jahren setzt die Polizei im Falle von Besetzungen einen bürokratischen Automatismus in Gang”, sagt Florentin Müller (“Flora bleibt unverträglich”). “Bei den Räumungen, die meist innerhalb der ersten 24 Stunden stattfinden, werden Verletzungen der beteiligten BesetzerInnen in Kauf genommen. In den anschließenden Verfahren wird die kalte Sachlichkeit und Ignoranz mit der hier gehandelt wird deutlich.” Die aufgezeigten Probleme, wie beispielsweise Wohnungslosigkeit, könnten nur politisch und nicht mit der Polizei gelöst werden. “Bei Räumungen werden sich BesetzerInnen auch in Zukunft wehren. Wir lassen uns nicht gut und böse, nicht in friedliche und militante BesetzerInnen spalten. Wir bleiben solidarisch.”
http://hh-mittendrin.de/2014/08/squatting-days-wir-lassen-uns-nicht-spalten/

„Die Hausbesetzerszene ruft nach den Krawallen am Mittwoch zu einer Demonstration durch das Schanzenviertel auf. […] Der Protestzug soll unter dem Motto „Selber Handeln – Gegen eine profitorientierte Stadtentwicklung“ am Sonnabend um 14 Uhr am Park Fiction in Hamburg-St. Pauli starten und bis zur Feldstraße ziehen. Die Organisatoren haben sich unterdessen auf die Seite der Hausbesetzer gestellt. Die Veranstalter der „Squattin Days“, die sich mit Gentrifizierung und Wohnraumpolitik beschäftigen, warfen der Polizei am Freitag ein „repressives Vorgehen“ vor. Auch Vertreter der Kampagne „Flora bleibt unverträglich“ verlangten die Einstellung des Ermittlungsverfahrens durch die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Totschlags.“
www.abendblatt.de/hamburg/altona/article131733992/Hausbesetzer-Szene-ruft-zur-Demonstration-am-Sonnabend-auf.html

Die Demonstration um 14 Uhr zur Solidaritätsdemonstration für die Breite Straße machen und die Hamburger Linie zu Fall bringen. Lasst euch nicht spalten in gute und schlechte, 80er und Nuller Besetzer_innen, militante und gewaltfreie. Gegen Repressionskonstrukte und städtische Leerstandsverwaltung. By any means necessary!

Aufruf der Roten Flora zu den Squattingdays

in Hamburg vom 27-31.08.2014

In dieser Woche wird mit Vorträgen, Workshops und anderen Veranstaltungen Hausbesetzung als Aktionsform thematisiert werden.

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Im Angesicht des real existierenden Kapitalismus brauchen wir mehr denn je Räume, die auf Solidarität und Kollektivität aufbauen, die sich außerhalb der kapitalistischen Verwertungslogik verorten, die sich gegen die Privatisierung von öffentlichen Räumen wenden und sich staatlicher Kontrolle und Repression widersetzen. Hausbesetzungen sind notwendig und mit einer entsprechenden Entschlossenheit und Solidarität machbar.
Es ist nichts Neues, dass überall systematischer Leerstand betrieben wird, während die Wohnungsnot weiterhin wächst. Zusätzlich wird dieser martialisch bewacht oder kurzerhand abgerissen, um potentielle Aneignung und Besetzung zu vermeiden. Ganz zu schweigen von dem Recht auf Wohnen für Geflüchtete und Menschen ohne Papiere, die gezwungen werden unter miserabelsten Bedingungen zu leben.

Trotz aller legalen und konformen Initiativen, Kampagnen und Aktionen ändert sich nichts. Der Hamburger Senat versucht mit wirkungslosen Konzepten wie dem Drittel-Mix der Stadt einen sozialen Anstrich zu verpassen, setzt in der Realität aber weiter auf investorenfreundliche Politik.
Kritische Äußerungen und Bemühungen sich selbstbestimmt die Räume zu nehmen, werden entweder ignoriert oder repressiv im Keim erstickt. Wie sich aktuell bei den Verhandlungen über eine Fläche für die Squatting Days zeigt.

Wir haben als Haus 25 Jahre Erfahrung mit dem Besetztstatus und den damit einhergehenden Repressionsmaßnahmen des Hamburger Senates oder auch Eigeninitiativen des Investors Klausmartin Kretschmer. Die Zeit der Besetzung ist geprägt von sich immer wieder neu auszuprobieren und die falsche Sicherheit immer wieder aufs Neue zu riskieren, um die Widerständigkeit des Projektes zu erhalten.
Der Umgang der Stadt Hamburg mit Besetzungen der letzen Jahre, macht deutlich, dass es an der Zeit ist sich neu zu organisieren, um weitere besetzte Räume zu schaffen und sich gemeinsam gegen eine Kriminalisierung von Aktivist_innen zu stellen.

Wir rufen daher als Projekt Rote Flora dazu auf zu den Squatting Days in Hamburg zu kommen und sich an den Aktionen und Diskussionen zu beteiligen.

Kommt und nehmt euch die Räume, die Straßen und die Stadt!

Fuck the Law and Squat the World!”

Demonstration am 30.8.2014

Selber Handeln – Gegen eine profitorientierte Stadtentwicklung
14:00 Uhr am Park Fiction, Hamburg

Es vergeht kein Tag, an dem nicht neue Nachrichten von Verdrängung, mehr oder weniger verdeckter Umschichtung oder die Umwandlung sozialen Lebensraumes in profitable Kommerzzentren durch die Presse wandern. Zuletzt gerade die Raeumung der ehemaligen Gehörlosenschule im Hamburger Münzviertel. Nicht nur in den Großstädten passiert täglich das Gleiche. Doch am sichtbarsten und eindrücklichsten kippt das soziale Gleichgewicht gerade an der Verteilung von Räumen in Metropolen.
Der Wettbewerb von Städten um Touristen, kreative Köpfe und zahlungskräftiges Klientel folgt der neoliberalen Logik, aus den Städten möglichst viel Profit zu schlagen.

Gemeinschaftliches, selbstbestimmtes Leben wird durch die Mietpreisspirale verdrängt und unmöglich gemacht. Nicht die Menschen, sondern lobbygetriebene Politik strickt ganze Viertel zu „Business Improved Districts“, Touristenzentren und Wohnvierteln für zahlungskräftiges Klientel um. Alle, die nicht in diese Logik passen, werden aus ihrem sozialen Umfeld an den Rand gedrängt.

Diese Inwertsetzung geht immer mit Repression gegen nicht konsumwillige, nicht angepasste und Menschen mit geringem Einkommen einher.

Die gezielte Kontrolle und Verdrängung von Menschen macht sich nicht nur durch den Ausverkauf der Stadt bemerkbar: Strassenmusiker*Innen, Wohnungslose und Drogenkonsument*Innen werden verdrängt sobald sie nicht in das Bild der Eventstadt passen, das durch zum Beispiel Cruisedays, Harlaydays oder Schlagermove zwanghaft seine glitzernde Fassade zur Schau stellen will.

Wir haben die Schließung und Kaputtkürzung von sozialen Einrichtungen satt, die durch vermeintliche Sachzwänge begründet wird, während gleichzeitig Milliarden für Prestigeobjekte wie die Elbphilharmonie ausgegeben werden.

Wir wollen in einer bunten Nachbarschaft leben, in der nicht nur der etwas Wert ist, der auch Wert produziert.
Wir wollen uns nicht in vorgefertigte Konzepte stecken lassen. Wir brauchen Räume für unkommerzielles Beisammensein, für gemeinschaftliches Wohnen, für alternatives Leben Mehrgenerationhäusern oder Wägen, für Kunst und Kultur.
Wir wollen nicht nur Mitbestimmen, sondern selbstbestimmt gestalten.

Um unsere Selbstbestimmung muss immer wieder gekämpft werden, das heißt, dass wir uns jenseits von Staat und Markt selbst organisieren müssen. Es gibt in Hamburg 1,2 Mio. m² leerstehende Büroflächen und darüber hinaus spekulativen Leerstand von Wohnhäusern. Dieser Zustand ist nicht hinnehmbar. Wir fordern die Entkriminalisierung der Besetzung von Leerstand!

Wir fordern eine unkommerzielle und solidarische Gestaltung aller Lebensbereiche.

Wir müssen uns Raume nehmen und Freiräume schaffen, wo Menschen sich wohl fühlen, auch wenn sie nicht dem profitorientierten Menschenbild der „wachsenden Stadt“ entsprechen.
Wir wehren uns gegen die Planung und Inwertsetzung der Städte von oben. Stadtplanung sollte nicht den Interessen von Investoren folgen. Wir nehmen es nicht mehr hin, uns durch politische Sonntagsreden und Scheinbeteiligungsverfahren abfertigen zu lassen.

Und deshalb gehen wir gemeinsam und solidarisch auf die Straße.
In bunt-schwarz. Gegen die bestehenden Verhältnisse und für uns alle.
Gründe aktiv zu werden gibt es mehr als genug. Lampedusa, Esso-Häuser, Rote Flora, Zomia, Borribles und die Squatting Days sind nur ein paar aktuelle Beispiele in Hamburg.

Kommt alle zu der Demonstration im Rahmen der Squatting Days am 30.8.2014

Selber Handeln – Gegen eine profitorientierte Stadtentwicklung

14:00 Uhr am Park Fiction, Hamburg