Die Vitruv Verwaltungs GmbH, der Klaus Martin Kretschmer als Geschäftsführer vorsteht, ist pleite und die Gesellschaft ist in die Zwangsverwaltung übergegangen. Direkt betroffen von dieser Entwicklung ist z.B. die im Recht auf Stadt Netzwerk beteiligte Initiative „Brandshof bleibt!“. Unklar ist, ob die Rote Flora durch eine mögliche Pleite von Kretschmer persönlich in der Zukunft ebenfalls betroffen sein könnte.

Wir wissen nicht, ob Kretschmer durch die Pleite der Vitruv Verwaltungs GmbH lediglich Steuern sparen oder ein missliebiges Projekt loswerden will oder tatsächlich das Maul zu voll genommen und auch persönlich abgewirtschaftet hat. Es interessiert uns auch nicht wirklich. Wir sehen uns allerdings in unserer Position bestätigt, dass die Rote Flora solange von Räumung und Verkauf bedroht sein wird, wie sich das Gebäude als Immobilie Schulterblatt 71 auf dem Markt befindet.

Immobilien- und Investmentblasen können platzen und das Streben nach Gewinnmaximierung wird auch zukünftig mit oder ohne Kretschmer seine Protagonist_innen finden. Vor diesem Hintergrund ist das kürzlich erfolgte Drehen an einigen städtebaulichen Stellschrauben rund um die Flora – Änderung von Bebauungsplan und Grundbucheintrag etc. – lediglich Makulatur. Wie schon der formale Verkauf an Kretschmer im Jahr 2001, mit dem die Flora aus städtischem Besitz erst in Marktlage gebracht wurde, sind diese Maßnahmen der erneute Versuch des Senates, sich der politischen Verantwortlichkeit um einen städtischen Konfliktherd zu entziehen.

Wir brauchen keine Stadt, die alles belässt, wie es ist, oder gesellschaftliche Fragen privatisiert und wir brauchen keine Kultur, die abhängig sein soll von patriarchaler Mäzenpolitik. Was wir brauchen, ist eine echte Vergesellschaftung des städtischen Raumes von unten. Wohnraum darf keine Ware sein, Kunst und Kultur keine Prestigeobjekte und Marketingfelder in Abhängigkeit von ambitionierten Investor_innen. Insofern war die Flora in der Vergangenheit gut beraten, Verhandlungen ebenso abzulehnen wie eine vertragliche Lösung. Die Rote Flora ist, wie jede Perspektive auf städtische Politik jenseits kapitalistischer Gewaltförmigkeit, nur im Konflikt zu haben.

Die Rote Flora ist und bleibt besetzt und vor allem unbezahlbar. Sollte sie den einen oder die andere Investor_in früher oder später in die Pleite treiben, ist das ganz in unserem Sinne! Ebenso notwendig ist aber auch, dass die Rote Flora ein unverträglicher Störfaktor gegen die Standortpolitik der Marke Hamburg bleibt und weiterhin Bestandteil sozialer Bewegungen und Kämpfe gegen die Ökonomisierung der Städte ist.

Krisen, Pleiten und Bankrotterklärungen sind untrennbarer Bestandteile im Fleischwolf des kapitalistischen „survival of the fittest“. Auch die etablierte Politik, deren Antworten sich von vornherein in diesem Netz verfangen, ist Bestandteil des Problems und nicht die Lösung. Ein Leben ohne Ausbeutung, Ausgrenzung und Ungerechtigkeit ist in und mit diesem System nicht zu haben. Die Zukunft liegt nicht in der politischen Krisenverwaltung des Bestehenden, sondern im Aufbruch sozialer und politischer Kämpfe, die die Gegenwart zeitgleich mit den Krisen erschüttern.

„Die Elendsverwalter_innen dieser Welt mögen ratlos sein angesichts der aktuellen Veränderungen. Wir sind es nicht! Wir haben eine Antwort auf die leeren Sprechblasen der Politik und Ökonomie und gehen auf die Straße für die Aneignung und Vergesellschaftung des Wohnraumes, der Städte und des Reichtums der Welt im globalen Maßstab.“ (Aufruf „Access all areas“)

„Access all areas“ –
Aktionstag gegen kapitalistische Stadtentwicklung und Gentrifizierung am 17.12.

Die Kampagne „Flora bleibt unverträglich“ ruft für den 17. Dezember unter dem Motto „Access all areas“ zu einem überregionalen Aktionstag gegen kapitalistische Stadtentwicklung auf. In Hamburg werden aus diesem Anlass von verschiedenen Initiativen in unterschiedlichen Stadtteilen Aktionen und Kundgebungen organisiert.

„Access all areas“ beginnt um 13 Uhr in Harburg und geht in Wilhelmsburg und später in Altona von 15-17:30 Uhr weiter. Dort wird es verschiedene Aktionen von Stadtteilaktivist_innen für alternative Projekte und gegen eine Stadtentwicklungspolitik der Verdrängung und Gentrifizierung geben.

Am Hauptbahnhof wird um 15 Uhr eine zentrale Kundgebung gegen die Vertreibungspolitik von Markus Schreiber und dem SPD-Senat stattfinden sowie um 16:30 Uhr am Rathaus eine Kundgebung gegen Mietenwahnsinn, Wohnungslosigkeit und Innenstadtverbote.

Für die Innenstadt wird zudem in Anlehnung an die Mietenwahnsinnssymphonie Ende Oktober zu einem Topfschlagen gegen Wohnungsnot unter dem Motto „Hells Bells“ aufgerufen, das ab 16 Uhr über die City verteilt stattfinden wird. Dort soll durch „Höllenlärm“ auf die dramatische Wohnungsmarktsituation aufmerksam gemacht werden und ein lautstarkes Zeichen gegen die Vertreibung von Wohnungslosen aus der Innenstadt durch Privatisierungen und Bettelverbote gesetzt werden. Bis zu 1000 Menschen werden von den Initiator_innen erwartet.

Auf der Reeperbahn wird es ab 18:30 Uhr schließlich eine Kundgebung mit musikalischem Rahmenprogramm gegen Umstrukturierung auf St. Pauli geben, die von Anwohner_innen und der Initiative gegen den Abriss der Esso-Häuser veranstaltet wird.

Kampagne »Flora bleibt unverträglich«
30.11.2011

Termine in Hamburg
http://florableibt.blogsport.de/material/17-dezember-2011-auf-los-gehts-los-access-hamburg/

Kontakt über
flora-bleibt@nadir.org

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